Wendedenkmal auf dem Holzmarkt

Veröffentlicht am 27.05.2011 in Stadtrat

Stellungnahme des SPD Stadtrats Christian Hühn zur Forderung der CDU nach Erweiterung

"Gestatten sie mir eine Vorbemerkung:
In letzter Zeit kann man als politisch und zeitgeschichtlich interessierter Mensch bei den vielfältigen Aktionen die die CDU in Sachen DDR Geschichte unternimmt fast den Eindruck gewinnen in beiden Teilen Deutschlands hat sie immer schon gegen Stacheldraht, Mauer und Schießbefehl gekämpft.

Beim ersten Lesen ihres Antrags, beschlich mich dann so ein komisches Gefühl, wer will woran da sein Süppchen wärmen und trägt unser Wendegewissen nicht einen Bart?

Woher kommt so viel Fürsorge um die Erinnerungskultur für den Herbst 89, man bekommt den Eindruck die örtliche CDU Gliederung hätte damals zum Protest auf dem Holzmarkt aufgerufen und nicht Günter Sattler, in einer mutigen Einzelaktion.

Zum Denkmal auf dem Holzmarkt:

Das Denkmal ist gut, weil es mit durchdachter Materialwahl, klaren und reduzierten Formen besticht, an geeignetem Standort platziert, von einem tschechischen Künstler konzipiert tatsächlich zum Nachdenken anregt.

Das Denkmal ist richtig, weil es den Initiator der damaligen Proteste ehrt, weil es eine Landmarke setzt, für ein paar Momente in denen es einigen Bürger gelang in Überwindung der Ängstlichkeit Zeichen zu setzen, die über unsere Stadt hinauswiesen.

Das Denkmal ist wichtig weil es behilflich ist, individuelle Reminiszenzen, dieser wunderbaren Tage im Herbst, in ein kollektives Erinnern zu überführen.

… und wenn sich jetzt Nachbesserungsbedarf zeigt, dann müssen wir darüber nachdenken was getan werden kann.

Aber der Anlass der Debatte heute hat auch eine Vorgeschichte.
Das Denkmal wenn denn unzulänglich ist nämlich das Ergebnis eines typischen Alleingangs nach Köllmer’schem Muster.

Ich will das begründen und muss dazu zunächst etwas ausholen.

In einer TA-Ausgabe von Anfang März 2009 ist das hier in Rede stehende Denkmal Gegenstand der Berichterstattung. Das Denkmal - diese Feststellung ist wichtig - ist noch nicht errichtet.
In dem Artikel wird eine Aussage des Bürgermeisters dem Sinne nach wie folgt wiedergegeben:

Nicht der Stadtrat werde über das Denkmal entscheiden, so eine seiner Äußerungen, sondern er, der BGM, denn solche Entscheidungen seien - so wird er in der Folge wörtlich zitiert - „seine Sache“.

Gesagt, getan - überwiegend im Alleingang entschieden und realisiert.
Den Stadtrat, soweit rechtlich möglich, außen vor gelassen.
Den Sachverstand im Stadtrat, die dort vorhandene Lebenserfahrung nicht genutzt.
Und nun ?

Jetzt stehen wir hier und erörtern Nachbesserungen, weil der Sachverstand des BGM erkennbar nicht ausgereicht hat, die heute durch den Antrag der CDU benannten Unzulänglichkeiten vorherzusehen.

Das ist bedauerlich und wäre vermeidbar gewesen.

Gleichwohl:

Meine Fraktion verschließt sich der Mängelrüge der CDU nicht und deren Kritik. Auch wir sind der Auffassung, dass Nachbesserung diskutiert werden können, ob sie zwingend in Gestalt einer erläuternden Schrifttafel stattfinden müssen bleibt zu erörtern.

Allerdings sollten wir hier heute auch festlegen, wer für die quasi Schlussredaktion eines Erläuterungstextes ob nun als Tafel oder Begleitblatt zuständig ist.

Diese allein dem BM zu überlassen, erscheint uns vor dem Hintergrund der aktuellen Situation nicht opportun.

Wir schlagen deshalb die Bildung eines interfraktionellen Gremiums vor, in jedem Fall sollten wir nicht nur mit Blick auf Urheberrechte den Künstler befragen…"

 

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